Die gröbste Schnittmenge antifaschistischer und queerfeministischer Arbeit liegt offen zu Tage: Menschliche Emanzipation. Die Überwindung sozialer Herrschaftsverhältnisse. Doch was sind das für Herrschaftsverhältnisse? Wie sind sie strukturiert? Woher kommen sie? Wie funktionieren sie? Wie lassen sie sich überwinden? Was versperrt ihre Abschaffung? Und wie hängen sie miteinander zusammen?
Tatsächlich sind die Antworten auf diese Fragen alles andere als geklärt. Das wird nicht erst dann deutlich, wenn die letzten Ableitungsmarxist*innen klammheimlich noch immer in Haupt- und Nebenwidersprüchen denken oder radikale dekonstruktivist*innen materielle Verhältnisse als sprachliche Konstrukte ausweisen wollen. Schon in der oberflächlichen Praxis schlagen sich blinde Flecken durch. Sogenannte progressive Politik ist nicht viel anders als bürgerliche Politik vielerorts weiß und männlich markiert bzw. dominiert. Das zeigt sich an Redeverhalten, Raumgestaltung, Themenwahl, Strategieüberlegungen, Freizeitgestaltung und nicht zuletzt an der Zusammensetzung vieler Gruppen. Es ist daher noch immer an der Zeit, die Beziehung verschiedener Herrschaftsverhältnisse zu analysieren und dabei die eigene Praxis zu reflektieren.
Am kommenden Wochenende wollen wir uns mit antifaschistische Arbeit auseinandersetzen und diese aus einer queerfeministischen Perspektive beleuchten. Dabei soll es auch um konkrete politische Aktionsformen wie die *gesellschaft – macht – geschlecht* Tage oder das „festival contre le racisme“ gehen. Dabei werden wird wir uns auch mit dem Thema „Antiziganismus“ genauer befassen.
Schließlich weisen die Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Verfolgungen von „Zigeuner*innen“ inzwischen eine Jahrhunderte währende Geschichte auf, welche in den Vernichtungslagern des nationalsozialistischen Barbarei kulminierte. Mit dem Sturz Nazi-regimes durch die Alliierten ist es in Deutschland – entgegen landläufiger Mythen – allerdings zu keiner Stunde Null gekommen. Weder personell noch hinsichtlich der grundlegenden gesellschaftlichen Strukturmechanismen und der damit zusammenhängenden Herrschaftsverhältnisse ist es zu den überfälligen historischen Brüchen gekommen. Ganz in diesem Sinne setzen sich noch immer antiziganistische Anfeindungen fort. Sie sind in allen sozialen Schichten und Alterskohorten anzutreffen. Laut der GMF Survey (Heitmeier 2012) stellen 44 % der Befragten Sinti und Roma unter einen generellen Kriminalverdacht. Seit jeher wird ein massiv stigmatisierendes Bild einer vermeintlich homogenen Gruppe gezeichnet. Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Analyse und Kritik des Antiziganismus auch heute noch vollkommen marginal. Das wollen wir durchbrechen!
Wann?
21. bis 23. November 2014, mehr unter Programm
Wo?
Bamberg, eine genaue Wegbeschreibung gibt es nach der Anmeldung
Wer?
u.a. mit Beiträgen und Workshops von Cindy Salzwedel, Roswitha Scholz, Markus End, Mike Laufenberg, Nico Bobka und Tino Heim