(Queer-)Feministische Theorie und Praxis in den aktuellen Metamorphosen kapitalistischer Vergesellschaftung – ein Vortrag von Tino Heim
Ob im ‚Diversity-Management’ oder beim ‚Social Freezing’: die produktive Überwindung der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit und aller biologischen und sozialen Schranken der freien und selbstbestimmten Gestaltung der individuellen und gesellschaftlichen Reproduktion gehört zu den zentralen Leitbildern der aktuellen Modi kapitalistischer Vergesellschaftung. In den Forderungen nach einer Pluralisierung und Flexibilisierung von Identitäten, Lebensformen und Erwerbsmodellen zeigen dabei gerade radikale queer-feministische Positionen oft mehr Schnittmengen mit den Anforderungen postfordistischer Produktionsverhältnisse und der Programmatik des Neoliberalismus als den Protagonist*innen bewusst ist. Wie aber lässt sich diese „Passförmigkeit des Subversiven“ (Tove Soiland) im Verhältnis von queer-feministischer Kritik und der gegenwärtigen Formationsphase kapitalistischer Vergesellschaftung erklären? Wie ist sie mit der gleichzeitigen Beständigkeit (neo-)konservativer Geschlechterpolitik (‚Herdprämie’) und den homophoben und sexistischen Backlash-Tendenzen – gerade in liberalen Kulturen – zu vereinbaren? Ausgehend von generellen Überlegungen zum dynamischen Zusammenhang von Kapitalismus und Geschlechterkonstruktion verfolgen Vortrag und Workshop die Frage, welche konkreten Möglichkeitsräume der Kritik überkommener Geschlechterverhältnisse die jüngsten Metamorphosen des Kapitalismus eröffnen und mit welchen altern und neuen Grenzen, Paradoxien und Gefahren sie die Suche nach einer emanzipatorischen Praxis zugleich konfrontieren.